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Malteser Hildesheim

Von der Grundschule zur Notunterkunft

Ehrenamtliche des Einsatzzuges bilden sich für den Ernstfall fort

23.04.2018

Großflächige Überschwemmungen die eine Evakuierung von ganzen Straßenzügen nach sich ziehen, Unbewohnbarkeit größerer Wohneinheiten oder ein Störfall im Atomkraftwerk sind nur wenige der Szenarien, die dazu führen können, dass plötzlich eine große Anzahl von Menschen ihr Haus verlassen muss. Doch wohin bei einer solchen Katastrophe?

Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte des Einsatzzuges der Malteser haben sich für diese Fälle an zwei Wochenenden theoretisch und praktisch fortgebildet. Sie bilden im Ernstfall ein großes Team, das aus Schulen oder größeren Sporthallen eine Notunterkunft herrichten kann. Zuletzt bewies die 50-köpfige Gruppe um Felix Meinhart bei der Evakuierung anlässlich des Blindgängerfundes im August vergangenen Jahres, dass auf sie Verlass ist. Dennoch müssen alle Abläufe geübt und optimiert werden, damit im Ernstfall alles reibungslos und effizient von Statten geht.

Die unbekannten Faktoren bei der Einrichtung von Notunterkünften sind die Gebäude, die hergerichtet werden müssen und die Betroffenen. Um schnell agieren zu können, müssen das Gebäude und Außengelände erkundet werden. Schlaf- und Aufenthaltsräume müssen festgelegt werden, genau wie Bereiche für die Essenszubereitung Stellplätze der Einsatzfahrzeuge. Mit ihnen werden mehrere Tonnen Material für die gesamte Ausstattung transportiert. Da kommt es auf kurze Wege vor Ort an, um die Kräfte der Helferinnen und Helfer zu schonen.

Um zudem den Helferinnen und Helfern aufzuzeigen, auf welche Details es ankommt, wie die Bedürfnisse von Familien, älteren Menschen, verschiedener Kulturen und Religionen auch unter solch schwierigen Bedingungen genügend Berücksichtigung finden, mündete am vergangenen Sonntag die Fortbildung in dem Umbau einer Grundschule in eine Notunterkunft.

Die Einsatzfahrzeuge wurden geschickt durch die schmalen Gassen auf den Schulhof manövriert und aufgestellt. Vom Einsatzleitwagen koordinierte der 3-köpfige Führungstrupp zunächst die Erkundungs- und später die Aufbauarbeiten. Die Betreuungsgruppe baute die Getränkeausgabe auf und richtete Klassenräume als Schlafräume ein. Die Verpflegungsgruppe baute, geschützt von Wind und Wetter eine Schnelleinsatzküche auf, mit der die Verpflegung von bis zu 250 Personen sichergestellt werden kann. Die Gruppe Technik und Sicherheit versorgte indes alle Gruppen mit Strom und Licht, nahm schwere Notstromaggregate in Betrieb und sicherte die Einsatzbereiche entsprechend ab. Die Helferinnen und Helfer der Sanitätsgruppe richteten eine Erste-Hilfe Station für medizinische Notfälle ein.

Auf Komfort müssen die Betroffenen dabei leider verzichten, die Schlafplätze mit Feldbetten sind mehr funktional als bequem. Zur Grundausstattung zählen zwei Wolldecken, Handtücher und ein Hygieneset, gegessen wird auf Bierzeltgarnituren. „Umso wichtiger ist, dass die Betroffenen eine einfühlsame Betreuung und eine schmackhafte, ausgewogene Verpflegung erhalten“, erläutert Martina Ramm, Gruppenführerin der Betreuungseinheit.

Nachdem die Grundschule zwei Tage als Notunterkunft eingerichtet war und die Helfer dort Frühstück, Mittag und Abendbrot zubereitet , mehrere Tonnen Material bewegt und Abläufe mehrfach geübt haben, erinnert bei Schulanfang schon nichts mehr an die Übung. So schnell, wie aus der Grundschule eine Notunterkunft entstanden ist, ist das Material wieder einsatzbereit auf den Anhängern und Einsatzfahrzeugen verstaut. Der nächste Einsatz kann die Ehrenamtlichen jederzeit ereilen.

Wer sich die Mitarbeit in einer solchen Einheit vorstellen kann, ist herzlich eingeladen, an unseren Übungsabenden unverbindlich teilzunehmen. Wir treffen uns mittwochs um 18:30 Uhr in der Waterloostraße 25. Eine kurze, formlose Anmeldung per Telefon unter 05121-55015 ist wünschenswert.

Weitere Informationen

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE07370601201201209281  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7